Kleine Weinkunde vom Winzer

Morillon

Der Morillon – oder geläufiger, der Chardonnay – ist eine der Leitsorten der Südsteiermark und das bereits seit den Zeiten Erzherzog Johanns, der das Fundament für den Qualitätsweinbau in der Region legte. Doch woher stammt die eigenwillige Namensgebung in der Steiermark, wenn diese Rebsorte doch wie kaum eine andere Weltberühmtheit genießt?

Aus der Ära des bereits angesprochenen Erzherzog Johanns stammt eine sympathische, jedoch leider in keinster Weise historisch begründete Geschichte, die man nur allzu gerne in den Kellern der südsteirischen Weinbauern erzählt:

Mit der Mission, neue Rebsorten für den steirischen Weinbau zu besorgen, entsandte der önologisch interessierte Erzherzog dereinst seine Kundschafter nach dem fernen Frankreich, welches schon seit grauer Vorzeit bekannt war für seine wunderbaren Weine. Wie man sich vorstellen kann, ist das empirische Experiment wesentlicher Bestandteil einer solchen Forschungsexpedition; das soll heißen, es muss eine Vielzahl an Weinen verkostet werden.

Von der Qualität eines speziellen Weines war man gar derart angetan, dass man es mit dem Kosten etwas übertrieben hatte und nachdem man sich handelseinig geworden war und den Vertragsabschluss ausreichend gefeiert hatte, stand man da mit einer Wagenladung neuer Reben … und der einen oder anderen Gedächtnislücke. Leider war auch der Name dieser gerade neu entdeckten Pflanze ein Opfer der Feierlichkeiten geworden.

Zuhause angekommen beschloss man daher ganz einfach, die Rebe nach dem Ort ihres Ursprungs – dem Städtchen Morillon – zu benennen.

In Wirklichkeit ist die Sache wohl viel unspektakulärer verlaufen:
In Frankreich spielt die Rebsorte gegenüber der regionalen Bezeichnung bis heute eine untergeordnete Rolle. So sah man noch bis ins 20. Jahrhundert hinein wenig Grund zur Unterscheidung zwischen Pinot Blanc und Chardonnay.

In Deutschland wurde diese Sorte aber bereits um 1800 biologisch differenziert betrachtet und unter dem Namen “Morillon” angebaut und bewusst von anderen Burgundersorten unterschieden.

1822 gründete Erzherzog Johann von Habsburg im heutigen Slowenien sein Versuchsweingut mit der Zielsetzung, die Weinqualität in der Steiermark anzuheben. Dass der Siegeszug des Morillon dort seinen Ausgang nahm, gilt als sehr wahrscheinlich.

Ob die ersten Pflanzen nun direkt aus Morillon, oder von deutschen Weingütern importiert wurden, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Sicher ist nur, dass der Name speziell im deutschsprachigen Raum bereits bekannt und unter Experten etabliert war.

Bis in die späten 80er hinein hielt man die französische Variante des Morillon – den Chardonnay – übrigens für eine andere Bezeichnung für Weißburgunder. Erst als der Wein enorm an Popularität zulegte, begann man das Sorten- und Herkunftschaos zu entwirren und es stellte sich heraus, dass die bisher für eine Autochtone Sorte gehaltene “Morillon” der Südsteirer genetisch gesehen so gut wie identisch mit der Weltweit beliebtesten Weißweinsorte Chardonnay ist.

Trotzdem behält sich der Steirische Morillon ein gewisses Maß an Eigenständigkeit. Nicht nur ist die steirische Variante des Chardonnays halt doch nicht zu 100% das gleiche wie seine französischen Vettern, sondern spiegelt auch Klima, Terroire und Kellertechnik in einem Maß wieder, wie es keine andere Rebsorte vermag.

Das bedeutet auch: Kosten lohnt sich! Im Morillon steckt sehr viel Handschrift des Winzers, weshalb man selbst in einer kleinen Region wie der Südsteiermark viele Geschmackserlebnisse entdecken kann.

Deshalb kommt gerne vorbei und kostet auch unseren Morillon Ehrenhausen DAC! Erzherzog Johann wäre wohl ganz zufrieden, was wir aus seiner Vision gemacht haben.

Grauburgunder

“Der Graue Mönch”, so nannten diese Rebsorte unsere Großeltern früher noch. Das lag wohl daran, dass sie ursprünglich von den Zisterziensermönchen in ihren grauen Habiten in Österreich angebaut wurde.

Manche kennen diesen Wein auch unter Namen wie Malvoisie, Fromenteau, Drusen, Roter Klevner, Rauchler, Vinum Bonum, Ruländer, oder Pinot Gris. Insgesamt sind 227 Synonyme für diesen Wein bekannt.

Wie der Name schon andeutet, gehört der Grauburgunder zu den sogenannten Burgundersorten. Er ist quasi das Bindeglied zwischen dem allseits beliebten Weißburgunder oder Pinot Blanc und der gerade sehr in Mode befindlichen Rotweinsorte Pinot Noir.

Das sieht man auch ganz deutlich an den Trauben des Grauburgunders: Sie wissen nicht so ganz, wo sie sich gerne einordnen möchten. Manche werden dunkelviolett und sehen fast aus wie Rotweintrauben, andere wiederum mutieren zurück zum Weißburgunder und bleiben grün bis goldgelb.

Die in der Steiermark am häufigsten angebaute Grauburgunderrebe – also der steirische Zweig dieser Rebenfamilie – neigt ganz besonders stark zu dieser Beerenmutation. Hier bilden sich sogar Beeren, die zur Hälfte rot und zur anderen Hälfte weiß sind. Normalerweise sind die Beeren des Grauburgunders matt rot und im vollreifen Zustand dann fast grau. Dennoch wird der Grauburgunder als Weißwein klassifiziert und bei uns auch als solcher ausgebaut.

Gallunderschen Grauburgunder (toller Zungenbrecher) gibt es in zwei Sorten: Zum einen mit etwas Restzucker als vollmundiger, gemütlicher Speisenbegleiter – zum anderen trocken, als große Reserve aus dem Eichenfass. Auch wenn wir uns hierbei dem Trend, besonders leichtfüßige Grauburgunder zu keltern, etwas entgegenstellen, können wir halt nicht anders, als unserem Herz zu folgen. Und das sagt: Ein fassgereifter Burgunder ist einfach eine großartige Sache, Mode hin, Mode her.

Falls ihr jetzt so richtig Lust bekommen habt, mal dem “Grauen Mönch” eure Aufwartung zu machen, dann schaut doch bei uns vorbei.

Zum Schluss noch ein Tipp:
Besonders für Rotweintrinker (die sich in der Südsteiermark manchmal etwas verloren vorkommen) stellt der Grauburgunder den perfekten Brückenschlag zum Weißwein dar. Vom Pinot Noir zum Grauburgunder zum Weißburgunder zum Morillon zum Sauvignon – das funktioniert sehr gut!
Aber Vorsicht: Besser schon im Weinkeller ausreichend Platz schaffen.